Verschiedene Arten von Lammfell/Schaffell unter der Lupe – wir klären auf über Eigenschaften und Unterschiede verschiedener Lammfell Sorten

Ein Merkmal teilen alle Lammfelle und Schaffelle: Sie bestehen aus gegerbter Haut mit der natürlichen Wolle der Tiere. Die kuscheligen Haare verleihen den Fellen von Lämmern und Schafen ihren Zauber: Sie verwöhnen Ihre Haut beim Berühren mit einem weichen, sanften Gefühl. Allerdings gibt es bei der Textur und der Länge der Haare enorme Unterschiede. Hier erfahren Sie, wie sich verschiedene Sorten von Lammfell/Schaffell unterscheiden!

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Was ist der Unterschied zwischen Lammfell und Schaffell?

Eigentlich erklären die Worte bereits den Unterschied. Als Lammfell bezeichnet man alle Felle von Tieren, die nicht älter als 12 Monate sind. Also handelt es sich bei allen anderen Fellen um Schaffelle. Allerdings sind diese Tiere mit 12 Monaten meist bereits ausgewachsen. Deshalb macht diese Unterscheidung nur bedingt Sinn.

Felle von Lämmern sind kleiner als von ausgewachsenen Tieren und haben besonders weiches, flauschiges Haar. Mit zunehmendem Alter wird die Wolle dicker und fester. Das ändert im Prinzip nichts an der Qualität: Das Fell von Lämmern und Schafen fühlt sich immer gut an.

Alle Felle sind Nebenprodukte der Schafzucht. Wenn ein Lamm oder Schaf geschlachtet wird, ist die Haut des Tieres eine zusätzliche Einkommensquelle. Der Verwendungszweck eines Fells zeigt Ihnen ziemlich genau an, um welche Art von Fell es sich handelt: Die meisten Lammfelle werden für Kleidung verwendet. Für Kissen und Teppiche dagegen kommen meist Schaffelle zum Einsatz.

Wie beurteile ich die Qualität der Lammfelle/Schaffelle?

Es gibt mehrere Merkmale, die ein Premium-Fell von Standardqualität unterscheiden. Das erste Qualitätsmerkmal ist die Dichte des Fells. Je mehr Haare auf einem Quadratzoll wachsen, desto dichter, weicher und wärmender ist ein Fell. Auch der sogenannte ‚Loft’ beeinflusst die Qualität. Unter diesem englischen Fachausdruck versteht man die Fähigkeit der Haare, aufrecht und gerade zu bleiben.

Die Länge der Haare ist ebenfalls ausschlaggebend. Damit ein Fellteppich als Premium-Qualität gilt, müssen die Haare mindestens 65 mm lang sein. Die Farbe sollte gleichmäßig sein, ohne sichtbare Verfärbungen oder Flecken. Darüber hinaus ist das Hautgefühl ein wichtiges Kriterium. Je weicher und seidiger sich ein Fell anfühlt, desto besser die Qualität.

Die gegerbte Haut gibt ebenfalls Aufschluss über die Qualität. Sie sollte gleichmäßig dick sein und keine Löcher oder Einschnitte aufweisen. Die Haut von Premium-Fellen wird poliert und ähnelt dadurch Wildleder. Zudem sollte ein Fell angenehm riechen. Bei Fellteppichen spielt zudem die Größe und die Form der Felle eine wichtige Rolle.

Merino Lammfell

Merino heißt eine historische Schafrasse, die auch heute noch für ihre Wolle enorm geschätz wird. Die Ursprünge dieser Rasse liegen im Dunkeln. Merinoschafe sollen bereits im 12. Jahrhundert von Marokko in den Südwesten Spaniens gekommen sein. Möglich ist auch, dass dafür spanische Mutterschafe mit fremden Widdern gekreuzt wurden und so zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert eine neue Rasse entstand.

Im 15. Und 16. Jahrhundert hatte Spanien ein Monopol für den Handel mit Merino Wolle, der entscheidend zum Wohlstand der Nation beitrug. Bereits 1788 erreichten 70 Merino Schafe mit der ‚First Fleet’ Australien. Diese erste Flotte von elf Schiffen diente dazu, den Kontinent zu besiedeln. Seit dem Ende des 18. Jahrhundert wurde die Merino-Rasse in Australien und Neuseeland weiter gezüchtet. Nach wie vor gilt Merino als besonders feine und weiche Wolle.

Curly Lammfell

Curly ist das englische Wort für gelockt. Dieser Ausdruck bezeichnet alle lockigen Lammfelle – unabhängig von der Herkunft. Spanische Lammfelle können ebenso gelockt sein wie ein australisches oder neuseeländisches Schaffell. Meist haben diese Häute robuste kurze Locken, die täglichen Gebrauch gut aushalten und besonders pflegeleicht sind.

Felle aus Tibet oder der Mongolei sind in der Regel stark gelockt. Diese Felle sind meist weniger dicht als die Häute von Australien und Neuseeland. Dafür erreichen die Haare meist eine Länge von 10 bis 15 cm. Deshalb eignen sich diese Felle hervorragend für luxuriöse Kissen.

Australisches Lammfell

Die größten Schafherden der Welt grasen in Australien und in Neuseeland. Die UGG-Stiefel kommen aus dem Kontinent ‚Down under’. Bereits in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts trugen dort die Arbeiter robuste Stiefel aus Schaffellen beim Scheren. Auch australische Piloten im Ersten Weltkrieg hielten ihre Füße mit Fug Boots warm.

Die heutigen Uggs brachte in australischer Surfer bereits 1978 nach Kalifornien. Von hier aus traten sie ihren Siegeszug um die Welt an. Die Uggs sind ein Paradebeispiel für die Qualität australischer Lammfelle und Schaffelle.

Australische Felle zeichnen sich durch ein besonders dichtes gleichmäßiges Fell aus – ein Merkmal der Schafrassen, die von den Ossis seit Jahrhunderten gezüchtet werden. Zudem sind die Lamm- und Schaffelle meist relativ groß und haben eine eher runde Form.

Wenn Sie ein besonders kuscheliges Fell bevorzugen, ist australisches Lammfell eine gute Wahl. In Australien werden die Begriffe Lammfell und Schaffell übrigens wie Synonyme verwendet. Besonders junge Tiere nennt man dort Beta Lambs. Sie werden häufig als Unterlage für Babys angeboten.

Neuseeländisches Lammfell

Auf den grünen Inseln von Neuseeland leben zehn Mal mehr Schafe als Menschen. Auf rund 4,5 Millionen Einwohner kommen also 45 Millionen Schafe. Hier gehört die Zucht dieser Tiere ebenso wie in Australien seit der Ankunft der Briten zu den traditionellen Gewerben. Heute noch ist der Export von Lammfleisch und Fellen eine der Haupteinnahmequellen.

Neuseeländische Schaffelle zeichnen sich durch ihr meist dichtes Haar aus und ihren hellen, fast weißen Farbton. Diese Felle eignen sich besonders gut zum Färben. Die Farbe kann sich ins Gelbliche verschieben, wenn die Tiere häufig in den Regen kamen. Felle mit kürzeren Haaren sind meist leicht gelockt, während längere Haare glatt erscheinen.

Spanisches Lammfell

Viele Experten sind der Ansicht, dass die besten Schaffelle der Welt aus Spanien kommen. Meist handelt es sich dabei um Merino Felle, wobei dieser Ausdruck nicht nur für reinrassige Schafe, sondern auch für Kreuzungen verwendet wird. Manchmal wird auch das Fell von anderen Wollschafen unter diesem Namen gehandelt.

Spanisches Lammfell zeichnet sich durch seine Geschmeidigkeit aus. Zudem sind diese Felle leichter und flexibler als Felle aus Australien und Neuseeland, die meist wesentlich mehr wiegen. Das macht spanisches Lammfell zu einem hervorragenden Material für hochwertige Bekleidung. Allerdings ist der Anschaffungspreis dementsprechend hoch. Zudem sind spanische Felle relativ schwer zu finden.

Eine besondere Sorte von Lammfell sind die sogenannten schwarzen oder Bearner Socken, die nur in Spanien zu finden sind. Tigrados nennt man gelockte Varianten. Calayos heißen weitere Fellsorten, die für ihre ausgezeichnete Qualität bekannt sind. Seidige Varianten liefern das Material für exklusive Jacken und Mäntel, während Häute mit festerem Leder, die Merinillas, als Innenfutter verarbeitet werden.

Island Lammfell

Das raue Klima von Island sorgt dafür, dass die dort lebenden Schafe besonders dichtes Fell entwickeln. Die Tiere wachsen dort in der freien Natur auf und kommen nur selten in Kontakt mit Menschen. Island Lammfelle haben eine besonders gute Wolle, die in zwei Schichten wächst. Über einem kurzen Unterfell liegt ein äußeres Fell, dessen Haare bis zu 25 cm lang wachsen können. Manchmal werden diese Lammfelle geschoren. Auf diese Weise erzielt man extrem dichte Felle, die sich hervorragend für Teppiche und Kissen eignen.

Neben den Langhaarfellen hinaus gibt es auch Varianten mit kurzer Wolle, die besonders weich sind. Zudem zeichnen sich Island Lammfelle durch eine Vielfalt natürlicher Farben aus. Neben Grau und Schwarz gibt es zahlreiche Schattierungen in Braun und Creme bis hin zu Elfenbeinweiß. Ausgesprochen attraktiv sind gefleckte und geflammte Lammfelle aus Island.